Die Toten Seelen - Gogol´s Höllenqualen

"Alle halten mich für ein Rätsel." 

 

Zitiert bei Wikipedia:

 

"Nikolai Wassiljewitsch Gogol (russisch: Никола́й Васи́льевич Го́голь, * 20. Märzjul./ 1. April 1809greg. in Welyki Sorotschynzi, Russisches Kaiserreich; † 21. Februarjul./ 4. März 1852greg. in Moskau, Russisches Kaiserreich) war ein russischer Schriftsteller ukrainischer Herkunft."

 

Gefunden in der Zeit (Nr. 12 vom 12/03/09):

 

"Er war hässlich, er reiste manisch, er hungerte sich zu Tode – und nebenbei nahm Gogol die Moderne vorweg.

 

Wer war dieser wunderliche Dichter? Und: Was taugt die Neuübersetzung seines Epochalromans »Die toten Seelen«? Eine kleine Feier Nikolaj Gogols, des Dichters des Dramas »Der Revisor« und kafkaesker Erzählungen, zum 200. Geburtstag.

 

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Zu Gogols Zeiten konnte man als russischer Grundbesitzer Bauern kaufen, verkaufen und verpfänden. Sie hießen »Seelen«. Die Regierung erfasste die Zahl der Bauern, da für sie eine Kopfsteuer zu entrichten war. Starben welche, musste dennoch gezahlt werden, bis zur nächsten Volkszählung. Tschitschikow, der Protagonist, kauft diese toten Seelen auf, sucht mit ihnen Handel zu treiben. Ein Roman aus unzähligen, durchaus heiteren Teufelspakten also, eitlen Empfängen, Verstellungskünsten, schmierigen Würdenträgern. Dem Helden haftet die Hölle an, er übertüncht sie mit albern modischen Kleidern und bestechender Höflichkeit. Und wie lohnend es doch ist, diesen Roman in der neuen Übersetzung von Vera Bischitzky zu lesen, die jetzt zum 200. Geburtstag Gogols erschienen ist. Sie meidet jede willkürliche Modernisierung und »verbessert« auch nicht Gogols wunderbar umständliche, ausufernde Satzkonstruktionen oder manierierte Wendungen: Gogols Figuren halten etwas »mit der Hand« fest oder befühlen etwas »mit der Hand« (womit sonst?), oder sie nicken mit dem Kopf (womit sonst?). Sogleich wird erkennbar, dass Gogols viel beschworene Modernität mit voraufklärerischem Welttheater, dörflichem Aberglauben, Hellsehern und dem Satan vermengt ist."

 

zitiert aus Zeit-Online

 

Vom Schmerz überwältigt

 

Kein Monat, keine Woche vergeht ohne einen neuen Verlust, aber ich hätte keine schlimmere Nachricht aus Rußland erhalten können. Jede Freude meines Lebens, jede erhabenen Freunden ist mit ihr verschwunden. Nichts habe ich unternommen ohne seinen Rat. Keine einzige Zeile ist geschrieben worden, ohne dass ich mi ihn vorgestellt hätte. Was er sagte, was er anmerkte, worüber er lachte, wozu er seine unzerstörbare und ewige Ermunterung gab, nur das hat mich interessiert und meine Kräfte beseelt. Ein himmlisches Beben des auf Erden nicht erfahrbaren Vergnügens hielt meine Seele umfangen... Mein Gott! Mein jetziges Werk, das er mir einzugeben hat, ist sein Geschöpf... Ich habe nicht die Kraft, es fortzusetzen. Einige Male griff ich zur Feder - und die Feder fiel mir aus den Händen. Unsagbare Schwermut!...

 

Gogol an Pletnev 28./16. März [1837] Rom

 

Mein Resümee

 

Gogol´s Seele transparent zu machen bedeutet seine Höllenqualen mitzuerleben. Und aus diesem Grund war die Vorbereitung dieses Abends mehr als nur anstrengend für mich. Religiöser Wahnsinn lies ihn verhungern! War es sein eigener? Gogol´s Humor konnte ihn selbst nicht (er-)retten uns dagegen kann er vor dem alltäglichem Wahnsinn einer absurden Welt beschützen.

 

 

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