Goethe für Einsteiger

"Warum grade er?", fragte ich mich.

DAS GÖTTLICHE - EIN GEDICHT VON GOETHE (1783)

 

Edel sei der Mensch,

Hilfreich und gut!

Denn das allein

Unterscheidet ihn

Von allen Wesen,

Die wir kennen.

 

Heil den unbekannten

Höhern Wesen,

Die wir ahnen!

Sein Beispiel lehr' uns

Jene glauben.

 

Denn unfühlend

Ist die Natur:

Es leuchtet die Sonne

Über Bös' und Gute,

Und dem Verbrecher

Glänzen wie dem Besten

Der Mond und die Sterne.

 

Wind und Ströme,

Donner und Hagel

Rauschen ihren Weg

Und ergreifen

Vorüber eilend

Einen um den andern.

 

Auch so das Glück

Tappt unter die Menge,

Fasst bald des Knaben

Lockige Unschuld,

Bald auch den kahlen,

Schuldigen Scheitel.

 

Nach ewigen, ehrnen,

Großen Gesetzen

Müssen wir alle

Unseres Daseins

Kreise vollenden.

 

Nur allein der Mensch

Vermag das Unmögliche;

Er unterscheidet,

Wählet und richtet;

Er kann dem Augenblick

Dauer verleihen.

 

Er allein darf

Den Guten lohnen,

Den Bösen strafen,

Heilen und retten,

Alles Irrende, SchweifendeNützlich verbinden.

 

Und wir verehren

Die Unsterblichen,

Als wären sie Menschen,

Täten im großen,

Was der Beste im kleinen

Tut oder möchte.

 

Der edle Mensch

Sei hilfreich und gut!

Unermüdet schaff' er

Das Nützliche, Rechte,

Sei uns ein Vorbild

Jener geahneten Wesen!

 

 

IN DER VORBEREITUNG STECKEND - EINE CHRONOLOGIE

 

Meine Beziehung zu Goethe? Ich empfand ihn bislang immer als arrogant. Warum? Ich weis es nicht wirklich , es ist einfach so. Lesen mochte ich ihn nicht. Blätterte bestenfalls ,nur rum. Seine Worte erreichten nie mein Herz und mein Verstand machte sich noch nicht einmal die Mühe ihn begreifen zu wollen. Also las ich ihn auch erst gar nicht!

 

Was ich von ihm bislang kannte, war bislang ein wenig Allgemeinwissen, das durch das Fernsehen erworben wurde. Filme wie z. B. die Braut (mit Veronica Ferres als Christiane Vulpius ) die biographisches enthalten oder Literaturverfilmungen.

 

 Alles in allem (k)eine gute Voraussetzung für ein vergnüglichen Abend oder? Manches muss man sich schon "(hart) erarbeiten". Glücklicherweise ist ja meine Frau für den Wissenserwerb und die Lehre zuständig. Und zusammen sind wir´s fürs spirituelle. 

 

Also Herr Goethe, ich lausche nun ihrer Seele. Und ich tat es 90 Minuten lang - und etwas scheint sich schon geändert haben. Werthers Leiden - ich bekomme plötzlich Lust zu lesen. Doch warum sofort lesen, ziehen ich doch lieber einen Film zu rate.

 

"GOETHE" - EIN FILM VON 2010

Vor kurzem (2010) erst rausgekommen: Regie: Philipp Stölzl. Buch: Philipp Stölzl, Christoph Müller, Alexander Dydyna. Kamera: Kolja Brandt. Mit: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaußner, Henry Hübchen. Warner, 99 Minuten.)

 

Sehen und staunen ... aha ... aha... ? Dann ein kurzes nachlesen in der Biographie. Es scheint leider in Mode gekommen zu sein Fiktion und Wirklichkeit zu mischen. Eine gute Kritik des Filmes fand ich dann im Internet: 

 

 http://www.sueddeutsche.de/kultur/im-kino-goethe-a-star-is-born-1.1012599

 

 

Also den Film wieder vergessen.

 

GOETHE, WERTHER UND ICH

 

Wenn man die Seele eines Dichters vermitteln will, sollte man wenigstens ein Stück von ihm auch gelesen haben. Ich nehme mir also den Werther vor. Ein Buch, dass viele zum Selbstmord animierte. Also fange ich an zu lesen und es ist mühsam. Irgendwie weigert sich mein Hirn seinen Schreibstil zu akzeptieren. Ich spüre eine ernstzunehmende Blockade - doch warum blockiere ich? Der Rythmus der Sprache entspricht nicht meinem. Die Worte stehen, so scheint es, für mich in einer verkehrter Reihenfolge. Würde sie gerne umschreiben. Mein eigenes Projekt Werther kommt setzt mich unter Zugzwang.  

 

Wende mich nun lieber seinen Gedichten zu. Finde im Internet eine gute Adresse:  http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/

 

Der Schatzgräber

 

Und so zog ich Kreis' um Kreise,

Stellte wunderbare Flammen,

Kraut und Knochenwerk zusammen:

Die Beschwörung war vollbracht.

Und auf die gelernte Weise

Grub ich nach dem alten Schatze

Auf dem angezeigten Platze.

Schwarz und stürmisch war die Nacht

 

Und ich sah ein Licht von weiten,

Und es kam gleich einem Sterne

Hinten aus der fernsten Ferne,

Eben als es zwölfe schlug.

Und da galt kein Vorbereiten.

Heller ward's mit einem Male

Von dem Glanz der vollen Schale,

Die ein schöner Knabe trug.

 

Holde Augen sah ich blinken

Unter dichtem Blumenkranze;

In des Trankes Himmelsglanze

Trat er in den Kreis hinein.

Und er hieß mich freundlich trinken;

Und ich dacht': Es kann der Knabe

Mit der schönen lichten Gabe

Wahrlich nicht der Böse sein.

 

"Trinke Mut des reinen Lebens!

Dann verstehst Du die Belehrung,

Kommst mit ängstlicher Beschwörung

Nicht zurück an diesen Ort.

Grabe hier nicht mehr vergebens!

Tages Arbeit, abends Gäste!

Saure Wochen, frohe Feste!

Sei Dein künftig Zauberwort."

 

Jetzt kommt mir doch einiges bekannt vor. Hab also doch mehr von Goethe gewusst als vorher angenommen hatte. Außerdem verändert sich meine Einstellung zu ihm. Irgendwie lerne ich ihn gerade zu lesen und zu verstehen. Mit meinem eigenem Projekt Werther bin ich noch nicht ans Ende gekommen - doch die Lust ist da - und so verbleibe ich mit Goethe: 

 

"Die Lust zum Wissen wird bei dem Menschen zuerst dadurch angeregt, dass er bedeutende Phänomene gewahr wird, die seine Aufmerksamkeit an sich ziehen. Damit nun diese dauernd bleibe, so Muss sich eine innigere Teilnahme finden, die uns nach und nach mit den Gegenständen bekannter macht. Alsdann bemerken wir erst eine große Mannichfaltigkeit, die uns als Menge entgegendringt. Wir sind genöthigt, zu sondern, zu unterscheiden und wieder zusammenzustellen; wodurch zuletzt eine Ordnung entsteht, die sich mit mehr oder weniger Zufriedenheit übersehen lässt.

 

Dieses in irgend einem Fache nur einigermaßen zu leisten, wird eine anhaltende strenge Beschäftigung nöthig. Deßwegen finden wir, daß die Menschen lieber durch eine allgemeine theoretische Ansicht, durch irgend eine Erklärungsart die Phänomene bei Seite bringen, anstatt sich die Mühe zu geben, das Einzelne kennen zu lernen und ein Ganzes zu erbauen."

 

Aus Entwurf einer Farbenlehre; Des Ersten Bandes Erster, didaktischer Theil

 

 

 

QUELLEN:

Die Gedichte auf dieser Seite wurden von dererwähnten Internetseite "Wissen im Netz" über Goethe zitiert.

 

DER HEUTIGE ABEND

Ich selbst fand ihn toll und ich hoffe, dass einige der Gäste ihn kommentieren werden.

 

SEIT HEUTE SPONTAN IN PLANUNG

Es gab heute viel zu entdecken und manches konnte natürlich sowieso nur angerissen werden, so dass wir eine Goethe-Naturphilosophie-Abendveranstaltung anbieten werden.

 

ABBITTE

Ich hatte Goethe und seine Seele einst verkannt. Das Bild und das Urteil, das ich einst über ihn gefällt hatte, war ungerecht und sei nun hiermit reumütig revidiert.

 

AUS WIKIPEDIA ZITIERT

"Johann Wolfgang von Goethe (* 1. 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar), geadelt 1782, war ein deutscher Dichter. Er forschte und publizierte außerdem auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Ab 1776 bekleidete er am Hof von Weimar unterschiedliche politische und administrative Ämter.

 

Goethes literarische Produktion umfasst Gedichte, Dramen, erzählende Werke (in Vers und Prosa), autobiografische, ästhetische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften. Auch sein umfangreicher Briefwechsel ist von großer literarischer Bedeutung. Goethe war ein Vorreiter und der wichtigste Vertreter des Sturm und Drang. Sein Roman Die Leiden des jungen Werthers machte ihn 1774 in ganz Europa berühmt. Später wandte er sich inhaltlich und formal den Idealen der Antike zu und wurde ab den 1790er Jahren, gemeinsam mit Friedrich Schiller und im Austausch mit diesem, zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik. Im Alter galt Goethe auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschland.

 

Während die Wertschätzung Goethes nach seinem Tode zunächst abnahm, wurde er im Deutschen Kaiserreich ab 1871 „zum Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen“[2] und als solcher für den deutschen Nationalismus vereinnahmt. Es setzte nun eine Verehrung nicht nur des Werks, sondern auch der Persönlichkeit des Dichters ein, dessen Lebensführung als vorbildlich empfunden wurde. Bis heute gilt Goethe als bedeutendster deutscher Dichter, sein Werk wird zu den Höhepunkten der Weltliteratur gezählt."

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Bärbel ANDREAS (Sonntag, 03 Juli 2011 15:00)

    Ich bin von Goethe in der Schule nur gestreift worden und habe mir, ehrlich gesagt, bis zu diesem Abend keine Gedanken über den Herrn gemacht.

    Ulrike hat uns sein Leben auf ihre ganz besondere, zeitgerechte Art nahe gebracht. Ein toller Mann! Jürgen hat uns Goethes Seele nahe gebracht und Vergangenes in uns, was nicht mehr benötigt wurde und uns blockiert, beseitigt. Es war ein wunderschöner Abend!!!

    Zu Hause angekommen, habe ich mich aber nicht auf Goethes "Die großen Dramen" gestürzt, welches bei mir im Regal steht, sonder Jane Austins "Stolz und Vorurteil" weitergelesen, mit dem ich mich ein wenig schwer getan hatte. Durch den Goethe-Abend wurde mir unter Anderem auch vermittelt, dass man, auch wenn es manchmal nicht der Stil ist, den man möchte, es sich doch lohnt weiterzulesen. Jetzt habe ich schon die Hälfte des Buches in kurzer Zeit gelesen und ich bin sicher, dass ich etwas von Goethe als nächstes lesen werde.