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Angst und Existenz

Unter diesem Motto stand gestern das Mülheimer Seminar, das uns in die seelisch-geistige Welt Kierkegaards ein führte. In unserer Seminarreihe vom Geist der Philosophie betraten wir mit ihm ein neuen Seelenraum. Als Urvater des Existenzialismus und Vorreiter tiefenpsychologischer Überlegungen nahm er uns an die Hand. 

 

Søren Aabye Kierkegaard, geboren am 5. Mai 1813  und am † 11. November 1855 in Kopenhagen gestorben, war ein dänischer Philosoph und Theologe. Zu seinem 200. Geburtstag widmete ihm das Zeitzeichen eine liebevolle Radiosendung.

 

http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/soeren-kierkegaard-theologe-100.html

 

Nehmen sie sich ruhig die 15 Minuten Zeit um etwas über sein Leben zu erfahren. Es wird sich lohnen. 

 

 

Professor Dorothee Sölle schrieb (1983)  in der Zeit über den Begriff der Angst bei Kierkegaard: 

 

 

http://www.zeit.de/1983/06/der-begriff-angst

 

Ich zitiere daraus nur folgende Passage: 

 

"Kierkegaard verführte mich in die Religion. Ich verschlang ihn. Heute könnte ich sagen, daß ich mich in Sören verliebt hatte; gibt es im Ernst eine bessere Methode etwas zu lernen?"

 

Vielleicht gewinnen Sie beim Studium seiner zahlreichen Schriften einen eben solchen Lustgewinn. Hier einige seiner Werke zur Auswahl:

  • Entweder – Oder (1843)
  • Furcht und Zittern (1843)
  • Die Wiederholung (1843)
  • Philosophische Brocken (1844)
  • Der Begriff Angst (1844) 

Wer ein spirituell-philosophisches Seminar über Angst und Existenz halten will, kommt wohl kaum an Kierkegaard vorbei. Es war gestern die erste Erkundung, die meine Schüler und ich auf seinem Terrain durchführten. Weitere werden folgen.

 

Einige seiner Begriffe:

 

Er unterscheidet drei grundlegende Stadien persönlicher Entwicklung:

  • Die ästhetische Existenz
  • Die ethische Existenz
  • Die religiöse Existenz

 

In unserer ästhetischen Existenz sind wir sinnlich orientiert, geben uns dem Leben mehr hin als es selbst zu gestalten, heften unser Interesse an vergängliche Werte. So bleiben wir letztendlich sinnentleert bis die Verzweiflung darüber uns dazu bewegen kann, den Entwicklungsschritt in die ethische Existenz zu wagen.  Hier angekommen gestalten wir unser Leben unseren Neigungen entsprechend, verfolgen langfristige Pläne, nehmen die Verantwortung für unser Tun auf uns. Doch manchmal fordert uns das Leben auf, aus einer höheren Sicht heraus gegen unsere eigene Ethik zu verstoßen. Hier keimt schon die religiöse Existenz auf. Abschließend eins seiner bekanntesten Zitate.

 

Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.

 

Crossover-Seminar: Der Weißgoldengelprozess : Jacobs Himmelsleiter: Vom Geist der Philosophie : Kierkegaard ; Geistige Signaturen : zartes hellblau