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Über die heilsame Kraft des Lesens

Die freie Journalistin Susanne Stromberg (www.die-stromberg.de)  befragt Jürgen Krzistetzko zum Ausbildungsgang für Leseraten und alle, die es werden wollen. 

 

Susanne: Seit 2014 bietest du einen weiteren spirituellen Ausbildungsgang von Morgana´s Stern an: Er heißt vom Geist der Literatur. Worum geht es dabei?

 

Jürgen: Wie bei allen unser Ausbildungswegen soll die persönliche Entwicklung der Schüler bestmöglich gefördert werden und ihnen helfen, alltägliche und nicht so alltägliche Probleme zu lösen.

Als Ausgangspunkt und Kern der spirituellen Methode dienen das Lesen und die Literatur. Wer gerne liest und offen ist für unterschiedlichste literarische Genres, wird an dieser Methode Gefallen finden.

Vielleicht spricht uns beim Lesen eines Buches primär die Sprache eines Autors an oder nur die Idee der geschriebenen Geschichte. Das Gelesene kann uns ans Herz gehen, uns gefangen nehmen und uns den unterschiedlichsten Emotionen aussetzen. Unser Auge sieht, der Geist liest und unsere Seele reagiert auf das Geschriebene. Wer wurde bei Winnetous Tod nicht von Trauer erfasst?

Soweit zur Faszination des Lesens.

Wir lehren in unserem Ausbildungsgang das „Lesen auf der Seelenebene“ und betrachten den Text zusätzlich mit spirituellen Argusaugen. Dadurch verändert sich nicht nur die Art des „normalen“ Lesens, sondern auch ihre Wirkung auf uns selbst.

Hier keimt bereits die persönliche Veränderung, um die es bei dieser Ausbildung geht.

 

Susanne: Mit anderen Worten – es geht um das Lesen und seine Nebenwirkungen?

 

Jürgen: Ja, genau.

 

Susanne: Wie verläuft so eine literarisch-spirituelle Ausbildung für den Schüler?

 

Jürgen: Wir begleiten den Schüler über einen längeren Zeitraum und fördern seine Entwicklung in Einzelsitzungen, die seine aktuelle Lebenssituation reflektieren und sein spirituelles Wachstum anregen. Innerhalb dieser Sitzung erfolgt eine Einweihung, die den Schüler befähigt das Erlernte umzusetzen.

Am Ende der Sitzung diktiere ich dem Schüler notwendige Informationen. So entsteht ein individuelles Ausbildungsskript. In den nächsten 6 Wochen sollte der Schüler den Zugang zur Methode vertiefen, indem er sich energetisch unterstützt. Wie das geschehen soll wird, im Ausbildungsskript festgehalten. Der Arbeitsaufwand ist hierfür mit täglich 10 Minuten sehr gering.

Ansonsten geht es ans tägliche Üben des Lesens auf der Seelenebene. Da jeder Ausbildungsschritt verbunden ist mit einem Autor, einem speziellen Buch oder einem literarischen Genre, ist es ratsam, sein Lesevergnügen genau dort zu finden. Da das Lesen auf der Seelenebene anfangs mehr als das übliche Lesen anstrengt, sollte man nicht übertreiben.

 

Susanne: Kommt da nicht das, was wir schon in der Schule nicht lesen mochten, durch die Hintertür und nun spirituell verordnet in unser Leben zurück?

 

Jürgen: In den 3 ½ Jahren, in denen ich diese Methode unterrichte, hat sich noch kein Schüler über die Auswahl des Lesestoffes beschwert.

 

Susanne:  Lesen bildet. Dass das Lesen einen therapeutischen Nutzen besitzt ist das Credo der Bibliotherapie, eine Methode, die seit kurzem so richtig IN ist. Kannst du die heilsame Kraft des Lesens bestätigen? In welchem Verhältnis stehen Bibliotherapie und euer Ausbildungsgang zueinander?

 

Jürgen: Wir verfolgen in unserer Arbeit grundsätzlich nie therapeutische Ziele. Unsere Ausbildungsziele wie seelische Reife und spirituelles Wachstum erlangen Personen in seltensten Fällen auf therapeutischen Pfaden.

Auch wenn die Bibliotherapie gerade IN ist – ist sie eigentlich ein alter Hut. Schon die alten Griechen wussten um die heilsame Kraft der Kunst der Tragödie. Bibliotherapie soll kranken Personen helfen, durch das Lesen geeigneter Texte positive Veränderungen im kognitiven und emotionalen Bereich zu erfahren und damit „gesünder“ zu werden.

 

Susanne: Es ist also eher eine Frage der Absicht, die beides unterscheidet?

 

Jürgen: Nein. Es ist das „spirituelle Drumherum“, das den Unterschied macht. Der geschulte Bibliotherapeut erweitert durch eine zusätzliche Ausbildung bei uns seinen persönlichen Werkzeugkasten. Aber es gibt es viele nicht-therapeutische Bereiche, wo unsere Methoden angewendet werden kann.

 

Susanne: Welche Bereiche sind das?

 

Jürgen: Angenommen du möchte lernen, achtsamer zu werden. Brauchst du eine buddhistische Meditationspraxis oder nur gute Bücher? Wie bekommst du deinen Geist frei, um besser lernen zu können? Durch einen Waldspaziergang? Werde kreativ! Was inspiriert dich dazu? Wie lernst du, bessere Entscheidungen zu treffen? Benötigst du einen Ratgeber, ein Sachbuch oder eher einen Liebesroman? Bücher pflastern unser aller Weg. Wir können sie für uns nutzen. Kann man durch Lesen empathischer werden? Sicherlich - durch das Lesen auf der Seelenebene gelingt es.

Selbstreflexion, Selbstregulation, Selbstausdruck, Verständnis, Loyalität, Visionen, …. Lesen bildet nicht nur den Geist, sondern auch die Seele.

 

Susanne: Bei euren Unternehmungen geht es um die spirituelle Entwicklung des Einzelnen, kann diese Arbeit auch in Gruppen geschehen.

 

Jürgen: Ja, auch bei diesem Ausbildungsgang arbeiten wir auch mit Gruppen zusammen und die Schüler lernen selbst mit Gruppen zusammenzuarbeiten.

 

Susanne: Wie kam es dazu, dass du diese Methode unterrichtest und wer ist Adressat der Methode?

 

Jürgen: Den Grundstein für diesen Lehrpfad legte meine Ehefrau Ulrike (2010-2013) mit ihrer Workshop-Reihe „Die Seele der Poesie“, die uns Poeten und ihre Kunst nahebrachte.

Der Lehrpfad „vom Geist der Literatur“, richtet sich an Lesebegeisterte, die offen sind für die vielfältigen literarischen Genres und sich persönlich spirituell unterstützt weiterentwickeln wollen. Um mal einen Einblick zu geben, ein paar Fakten:

 

In den vergangenen 3 ½ Jahren streiften meine Schüler und ich bislang die Genres der Kriminal-, Jugenbuch-, Abenteuer-, Horror-, Vampir-, SFI-Literatur der Lyrik und Prosa.

Autoren wie: Agatha Christie, George Simeon, Dashiell Hammett, Conan Doyle, Astrid Lindgren, A. E. Poe, Jules Verne, Philipp K. Dick, Alexandre Dumas, Erich Kästner, Enid Blyton, R. L. Stevenson, Stanislaw Lem, R. Maria Rilke, Nancy Mitford, Daphne de Maurier, Joseph Roth oder der Humorist Ephraim Kishon waren literarische Themen.

Bücher wie z. B. Hercule Poirots Weihnachten, Pippi Langstrumpf, Solaris, Der grüne Blitz, Der Golem, Weiße Nächte oder Radetzkymarsch sollten von einzelnen Teilnehmern gelesen werden.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass der, der sich für diesen Lehrpfad entscheidet auch immer das richtige zum Lesen findet.

 

 

Dortmund, den 24. Juli 2017

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