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Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens (Teil 1)

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens (Teil 1)

Haben Sie sich schon mal die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt? Wenn ja, sind sie schon fündig geworden? Nicht jeder ist motiviert und interessiert den Sinn des Ganzen ergründen zu wollen. Aber fast jeder möchte, so behaupte ich, lieber in einem sinnvollen statt sinnlosen Leben und Universum leben. Also gehen wir auf Spurensuche.

 

Vom Sinn und dem Zweck

Fragen wir eine Person nach einem Sinn wird uns statt dessen häufig der Zweck erklärend gereicht. Die Begriffe Sinn und Zweck sind arg miteinander verbunden. Macht also Sinn was einem Zwecke dient? Vom Letzterer wissen wir ja, dass er bekanntlich alle Mittel heiligt. Begeben wir uns damit nicht allzu leichtfertig aufs Glatteis von Allgemeinplätzen, die den Sinn des Lebens eines tieferen Sinns berauben? 

 

Was also ist Ihr persönlicher Lebenssinn oder Lebenszweck? Haben Sie ihn schon gefunden oder definiert? Einer der diesen Lebenszweck scheinbar gefunden hat, heißt Zsuphan und er berichtet singend allen, die es auch hören wollen,  davon:  

 

"Ja, das Schreiben und das Lesen 

ist nie mein Sach’ gewesen, 

denn schon von Kindesbeinen 

befasst ich mich mit Schweinen; 

auch war ich nie ein Dichter 

Potzdonnerwetter Paraplui, 

nur immer Schweinezüchter, 

poetisch war ich nie!

  

Ja mein idealer Lebenszweck 

ist Borstenvieh, ist Schweinespeck, 

mein idealer Lebenszweck, 

ist Borstenvieh und Schweinespeck, 

ist Borstenvieh und Schweinespeck." 

 

Zsuphan ist ein gut betuchter Schweinezüchter und nennt 5000 kugelrund gemästeten Schweine sein. Sicherlich Zsuphan ist nicht real existent sondern fiktiv und dem Geist der Operette der Zigeunerbaron entsprungen. Das Libretto stammt von Ignaz Schnitzer und die  Musik von Johann Strauß. Uraufgeführt wurde die Operette 1885 in Wien.  Der Operetten-Titel mag zwar einer political correctness und der  Lebenszweck dem veganen Zeitgeist widersprechen, verraten uns doch die Textzeilen etwas darüber was viele Menschen anreibt und ihnen einen Lebenszweck gibt. Sie identifizieren sich mit materiellen oder ideellen Dingen.

 

Womit identifizieren Sie sich?

"Mein Haus, mein Auto, mein Boot ...", ist die Losung all derer, die im Lebenskampf den Gegenüber übertrumpfen möchten. Gehören sie dazu? Oder ist ihnen ein bloßes Gewinnstreben zu profan, zu "materiell orientiert" um einen positiven Lebenssinn zu generieren?

 

Streben sie nach höheren Weihen? Haben sie ihrer inneren Berufung folgend einen Berufsweg eingeschlagen können, der ihrem Leben einen tieferen Sinn verleiht? Doch was passiert, wenn genau dieser Beruf sie nicht mehr nährt? Verliert er dann seinen Sinn? Vielleicht haben sie sich lieber mehr mit politischen Idealen oder religiösen Vorstellungen abgegeben um einen Lebenssinn zu entdecken. Doch was passiert, wenn sie erkennen sie lagen mit ihren Ansichten falsch? Verliert ihr Leben dann seinen Sinn?

 

Es gibt viele Dinge, die man tun kann um ein für sich selbst sinnerfülltes Leben zu führen. Doch Ist der Sinn unseres Streben einem "Sinn des Lebens" äquivalent oder sollte dieser nicht über uns selbst herausragen und, egal ob man grade auf der Sonnenseite des Lebens steht oder die Schattenseite des selben durchwandert, Gültigkeit besitzen?

 

Das Schicksal und Wir

Die Frage nach dem Sinn, kommt uns häufig erst dann wieder in den Sinn, wenn genau dieser verloren gegangen ist. Vielleicht war es ein tragischer Schicksalsschlag, der uns heimsuchte, aus der Bahn warf und uns den Sinn beraubte. Nicht nur das Unerwartete auch das von uns Erwartete führt uns manchmal schicksalhaft in (Lebens-) Krisen hinein.  Vielleicht aber war es auch nur die schlichte Erkenntnis auf dem Holzweg gewesen zu sein und unser Sein trotzdem in den Grundfesten erschütterte. In allen möglichen Fällen stellt sich die gleiche Frage: "Wie soll es nun weitergehen"?

 

An ein unabänderliches Schicksal, gewoben von den Nornen Urd, Verdandi und Skuld, vermag nicht jeder glauben. Weit verbreitet dagegen gilt heutzutage die Losung: "Jeder ist seines Glückes Schmied", mit allen seinen damit verbundenen negativen Folgen.

 

Hand aufs Herz, dass Leben richtet sich selten nach all unseren Wünschen und Absichten. "Pustekuchen", ruft es uns zu und das Kartenhaus unser Vorstellungen bricht zusammen. Die Realität erkennt man, wenn das Konstrukt zerfällt. Wir sind nicht allmächtig, unser Wille geschehe nicht. Die Naturkatastrophen fragen nicht nach den Opfern und der Tod holt nicht vorher unsere Erlaubnis ein.  

 

Nicht nur beim Pokerspiel und am Aktienmarkt kann man sich gehörig verzocken. Der erste Weltkrieg wurde durch ein Dutzend Personen angezettelt und Millionen starben. Unser Leben kann nicht nur im individuellen Begriffen werde. Wir alle sind im kollektivem, schicksalhaft mit anderen Menschen verknüpft. Bei aller Vorsicht und Umsicht die wir wallten lassen, ist das Leben trotzdem nicht berechenbar. Das einzig Sichere ist der Tod, der auf uns wartet. Und bis dahin muss man überleben. 

 

Bevor wir nur an das Unheil denken, das uns heimsuchen kann. Auch ein vermeintlicher Segen kann uns herausfordern. Wie viele Lottomillionäre strauchelten bislang und scheiterten am Unvermögen sinnerfüllt mit dem Vermögen umzugehen? Auch ein ungewollter Kindersegen stellt die eigene Lebensplanung auf den Kopf. 

 

Individuelle Schicksalsschläge, wie der Verlust eines Lebenspartner durch den Tod, der finanzieller Ruin durch Fehlspekulationen am Aktienmarkt, die unerwartete Kündigung einer sicheren Arbeitsstelle, eine potentiell als unheilbar eingestufte Erkrankung hinterlassen mehr als nur Dellen im Lebensplan. Etwas geht zum Bruch - es ist die Kontinuität des Gewohnten und das Gefühl der Sicherheit welches verschwindet. Sind wir durch ein mieses Karma an eine Sollbruchstelle unseres Lebens gelangt und der Startschuss zur Sinnsuche abgefeuert?

 

Unser Leben stellt uns Probleme und verlangt Lösungen. Es liegt an uns, die Probleme anzugehen. Reagieren wir auf diese Herausforderung mutlos, verzagt, freudig, hoffnungsvoll, ... . Beweisen wir nun Kampfeswillen oder kneifen wir lieber? Häufig fragen wir uns zuerst nach dem "warum es geschah" und suchen darin einen Sinn oder zu mindestens einen Schuldigen, den wir hängen können.

 

Inwieweit sind wir zugleich Täter und Opfer einer entstanden Situation? Sind wir vielleicht selber Schuld? Geschah das, was mit uns geschah, zufällig, unplanmäßig und ohne tieferen Sinn? Letzter Vorstellung läuft uns zuwider und bereitet Unbehagen. Wir leben doch vom jetzt in die Zukunft hinein und begründen doch unser Leben im Blick aufs Vergangene. Musste es so kommen oder sollte es so sein?

 

Immer dann, wenn wir an einer dieser Sollbruchstellen des Lebens angekommen sind, wird es schwierig für uns. Können wir uns wie weiland Baron Münchhausen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf befreien oder brauchen wir eine professionelle Unterstützung? Für so manchem kommt die Diagnose Krebs unmittelbar einem Todesurteil gleich. Andere dagegen vertauen der ärztlicher Heilkunst, den Selbstheilungskräften, göttlicher Führung und spüren das es irgendwie schon weitergehen wird.

 

Der Tsunami von 2004 fasste in Thailand / Indonesien zufällig anwesende Personen zu einem "Kollektiv der Hinweggespülten" zusammen. Wie veränderte sich der Lebenssinn derer die überlebten? Bekam ihr Leben eine neue sinnvolle Priorität? Wie viel Sinn und Gutes entstand durch die damaligen Spendenaktionen, die dem Unglück auf Fuß folgten, für Spender und Opfer dieser Naturkatastrophe.

 

Im Allgemeinen identifizieren wir uns lieber freiwillig mit irgendwelchen Gruppierungen statt willkürlich von anderen Personen oder höheren Mächten zugeordnet zu werden. Wo es Ein-, Aus- und Abgrenzungen gibt, gibt es auch immer einen mit Konflikten gespikten Nährboden für das Schicksal.

 

War der Holocaust "nur" eine Menschen verachtende Antwort einer abstrusen Judenfrage? Ist nicht die im 18. Jahrhundert gestellte Judenfrage selbst schon Hinweis auf die "logischerweise richtige unmenschliche  Beantwortung" derselben? Müssten wir, die wir das Glück hatten in der Nachkriegszeit geboren zu sein, uns nicht vehement dagegen wehren, dass sich wieder ein zunehmenden Antisemitismus ausbreitet? Ich meine ja. 

Kann dieses Denken wieder aus den Köpfen der vom Ungeist befallenen Menschen vertrieben werden? Ich bin pessimistisch.

 

Ein Tag vor der Fukushima-Katastrophe stand hierzulande noch das ja zur Atomkraft scheinbar in Granit gemeißelt und schon gar nicht von Seiten der Regierung politisch zur Debatte. Doch dieser nuklearer Vorfall im Jahre 2011 veränderte die vorherrschende politisch und gesetzgebende Meinung. Der Atomausstieg wurde nun schnell beschlossen. Wäre Fukushima als Sollbruchstelle deutscher Energiepolitik möglich geworden, wenn nicht seit den 70ern die Anti-Atomkraft-Bewegung sich für einen Atomausstieg eingesetzt hätte und mit Harrisburg (1979) und Tschernobyll (1986) der Glaube an der gefahrlosen Nutzung von Kernenergie erste Kratzer bekommen hätte?

 

Können Sie in Katastrophen einen tieferen Sinn entdecken? Besteht der Sinn vielleicht nur ganz banal darin aus solchen größeren und kleineren, privaten und kollektiven Katastrophen zu lernen? Das man aus Erfahrung nur sprichwörtlich und nicht mit Bestimmtheit klug wird, wiederholt sich oft die Geschichte.

 

Ob Sie die "Liebe auf dem ersten Blick" für einen ernst zunehmenden Schicksalsschlag halten oder nicht.

Niemand ist dagegen gefeit, dass sich die Rahmenbedingen seines Lebens so verändern können, dass er sich "schicksalhaft" eine Sinnfrage stellen muss? Worauf kann er in diesem Fall zurückgreifen? Seinem Glauben? 

 

Victor Frankl, österreichischer Neurologe und Psychiater,  Begründer der dritten Wiener Schule für Psychotherapie, sieht im Mensch ein sich nach einem Sinn sehnendes und suchendes Wesen. Darin offenbart sich auch die unbewusste / bewusste Sehnsucht nach Gott [1]. Der Sinn verwirklicht sich für Frankl, der vier KZ´s überlebte, am tiefsten dort, wo wir unsere Lebenssituation gleichzeitig als Gabe und Aufgabe verstehen. Hier trifft sich Psychologie, Philosophie und Religion um einen höheren Sinn zu konstruieren der unser Los auch in Tapferkeit und Würde ertragen lässt. 

 

Liegt das Schicksal vielleicht vielmehr in unseren eigenen Händen, als wir bislang glaubten. Entscheiden wir nicht dadurch, wie wir aufs Schicksal antworte, was unser Schicksal wirklich ist? 

 

[1] Eines von Frankls zahlreichen Bücher heißt: "Der unbewusste Gott: Psychotherapie und Religion". 

 

Teil 2 erscheint Mitte Februar