Häresie

In der letzten Woche bin ich mehre male in Zeitungsartikeln dem Begriff der Häresie begegnet. Grund genug für mich sich einmal diesem Thema zuzuwenden. Recherchiert man im Internet nach dem Begriff so findet man einige Webseiten, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Der Begriff stammt aus dem Griechischen ( „hairesis“) und bedeutet ursprünglich „das Nehmen“ oder die „Wahl“. Mir selbst war dieser Begriff nur als ein „abweichen vom katholischen Glauben“ in Erinnerung und sah es bislang als ein rein „christlich - kirchliches Phänomen“ an. Zeigt doch die kirchliche Dogmengeschichte, dass alle Lehren, die von der offiziellen katholischen Kirchenmeinung abwichen, als Häresie bezeichnet wurden.

 

Häretiker fanden für ihren persönlichen Glauben keinen Platz mehr im Dogmengebäude. Die Bildung von Sekten und der kirchliche Vorwurf der Ketzerei war der nächste logische Schritt, wenn wir die Häresie akzeptieren. Und was macht man mit Abweichlern? Sie natürlich zur Vernunft bringen oder noch besser ihre Seele retten. So konnte man die Katharer besten Gewissens dem Scheiterhaufen zuführen. Dieses den Katharern geschehen Unrecht ist sicherlich verjährt, trotzdem werde ich den Eindruck nicht los, das der (Un-)Geist von einst immer noch wirksam ist. Nach den Katharern folgten historisch gesehen noch viele andere Opfer.

 

Das die Häresie auch positive Aspekte für die christliche Kirche besitzt kann man folgendem Zitat entnehmen:

 

"Der Kirchenhistoriker Karl Heussi hat in seinen Vorlesungen immer wieder auf die Bedeutung der Häresien für den Konsolidierungsprozess der christlichen Kirche hingewiesen, denn gerade die "Ketzer" haben immer auf die Defizite im Leben und in der Lehre der Kirche besonders hingewiesen."

 

Dieses Zitat stammt von einer Webseite mit dem kurzen einprägsamen Namen: Das elektronische Informationssystem über neue religiöse und ideologische Gemeinschaften, Psychogruppen und Esoterik in Deutschland. Zur URL folgen sie bitte den obigen Link. 

 

Das Häresie auch in anderen Religionen eine Bedeutung, eine Wirklichkeit besitzt wurde mir erst durch das Studium diverser Internetquellen bewusst. Auch Organisationen wie Scientology haben ihrer Häretiker.

 

Erweitern wir den Häresie-Begriff auf nicht religiöse Gruppierungen (Philosophie, Psychologie, Politik, ...) erkennen wir die strukturbildende Kraft der Häresie. Als C. G. Jung den „freudschen psychoanalytischen Pfad der Tugend“ verließ, wurde er zum Häretiker alber etwas neues Geniales ward geboren. Doch nicht immer entsteht durch Häresie etwas, was das Leben bereichert und deshalb a priori wünschenswert ist.

   

Den Artikel den ich hier abschließend als Denkanstoß empfehle geht über die Häresie als Grundlage der Hexerei, ich zitiere ein Zitat dieses Artikels:

 

„Russell ging davon aus, dass die europäische Hexerei am besten als Form der Häresie zu betrachten sei, dass das Verständnis der Häresie für die Hexerei wichtiger sei als dasjenige der Magie und dass es frühe Hexenverfolgungen vor allem dort gegeben habe, wo vorgängig Häretiker entdeckt worden seien, so in Frankreich, den Niederlanden, dem Rheinland, Norditalien und den Alpen, in den Alpen aber vor allem als Rückzugsgebiet der Häretiker und nicht als besonders rückständige Zone (Russell 1972, S. 19, 39f., 133, 267-269)“

 

Quellenangabe zum obig verlinkten Artikels: Häresie und Hexerei; von Kathrin Utz Tremp; Stand 19. Juni 2008; gefunden von mir im historicum.net am 22.07.2012; die URL - Adresse finden durch anklicken des Links.

 

Mein Tipp: Die Seite www.historicum.net ist sehr informativ, für Menschen die sich für Geschichte interessieren. Besonders der Bereich, der die Hexenverfolgung historisch aufarbeitet finde ich sehr Interessant.

 

 

Mein Resümee über die Häresie und die persönliche Entwicklung

 

Wir werden dem Phänomen der Häresie nicht gerecht, wenn wir es allein auf die Anfeindung und Verfolgung „Andersgläubiger“ reduzieren. Häretiker wird man nicht zum Spaß sondern weil es dafür einen tieferen (Glaubens-) Grund gibt. Häretische Gedanken verweisen auf ein „Erkennen von anderen Möglichkeiten“. Glaubensgemeinschaften können diese häretische Impulse aufnehmen um positive Veränderungen vorzunehmen anderseits können sie sie auch vehement zurückweisen. Stabilisierung und Destabilisierung beides erscheint möglich. Je mehr ein System (, eine Glaubensgemeinschaft) jedoch von einer absoluter Wahrheit überzeugt ist, desto unwahrscheinlicher erscheint mir eine gütige Trennung oder andere Lösungen möglich zu sein. Liebet eure Häretiker oder werdet zu Fanatiker. Ihr habt die Wahl. Auch Gemeinschaften können sich persönlich entwickeln. Wie wäre es mit dem Fernziel Toleranz? 

 

  Und zum Abschluss noch ein schöner Link mit einer Zitierung:

 

"Streit um Papst auf Zypern "Benedikt ist ein Häretiker" (Ulrich W. Sahm)

 

Die Kirche von Zypern streitet über den katholischen Papst: Bischof Athanasios hält ihn für einen Häretiker und lehnt jeden Kontakt ab, Erzbischof Chrysostomos setzt auf Dialog.

 

Innerhalb der griechisch-orthodoxen Kirche Zyperns ist wegen des bevorstehenden Papstbesuchs vom 4. bis zum 6. Juni eine delikate Kontroverse ausgebrochen. Der einflussreiche Bischof Athanasios von Limassol forderte die orthodoxen Gläubigen auf, die Visite von Papst Benedikt XVI. zu boykottieren. Das römische Kirchenoberhaupt sei ein "Häretiker", stehe "außerhalb der Kirche" und sei deshalb nicht einmal ein Bischof."